Bundesnetzwerk Ombudschaft in der Kinder- und Jugendhilfe e.V.
Newsletter April 2026: Sondernewsletter

Liebe Kolleg*innen und Mitstreiter*innen, sehr geehrte Interessierte,

mit diesem Newsletter senden wir Ihnen anlassbezogen Informationen, Veranstaltungshinweise und Materialien zum Themenfeld Ombudschaft in der Kinder- und Jugendhilfe und angrenzenden Diskursen. Diesmal möchten wir aus aktuellem Anlass über den Referentenentwurf für ein 1. Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz sowie drohende Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe informieren.

Mit herzlichen Grüßen
das Team der Bundeskoordinierungsstelle Ombudschaft in der Jugendhilfe

Stellungnahme des BNO zum Referentenentwurf für ein 1. KJHSRG

Am 23.03.2026 hat das BMBFSFJ den Referentenentwurf für ein 1. Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz veröffentlicht. Das Bundesnetzwerk Ombudschaft (BNO) hat hierzu eine Stellungnahme verfasst, in der zentrale Regelungen des Entwurfs auf Grundlage des Selbstverständnisses und der Praxis der Ombudschaft in der Jugendhilfe kommentiert werden. Mit dem Referentenentwurf soll die Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für junge Menschen mit und ohne Behinderung unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe ab 1.1.2028 umgesetzt werden, was allgemein begrüßt wird. Darüber hinaus enthält der Referentenentwurf ein Vorranggebot von infrastrukturellen Leistungen und Regelangeboten vor einzelfallorientierten Hilfen im Bereich der Hilfen zur Erziehung, Hilfen für junge Volljährige und bei Bildungsassistenzen. Dies wird als grundlegender Paradigmenwechsel eingeschätzt. Das BNO bedauert, dass der Referentenentwurf in zentralen Punkten weniger auf eine inklusive, bedarfsgerechte Kinder- und Jugendhilfe, sondern stark auf Kosteneinsparungen und Entlastung der Verwaltung abzielt, wie auch in der Gesetzesbegründung deutlich beschrieben. Darüber hinaus würde durch die vorgesehene Länderöffnungsklausel ein Unterlaufen der tatsächlichen Zusammenführung von Jugend- und Eingliederungshilfe für junge Menschen – das zentrale Anliegen der aktuellen Reform – praktisch ermöglicht. Mit den im Referentenentwurf enthaltenen Regelungen würden individuelle Rechtsansprüche faktisch geschwächt, stattdessen Steuerungs- bzw. Verwaltungslogiken gestärkt und Einsparungen umgesetzt werden. Darüber hinaus enthält der Referentenentwurf Verschärfungen für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Einer solchen Entwicklung steht das BNO ablehnend gegenüber.

Weitere Informationen:

Stellungnahme des BNO zum Referentenentwurf

Website des DIJuF mit dem Referentenentwurf, Synopsen sowie zahlreichen weiteren Stellungnahmen zum Download.

Massive Kürzungspläne in Jugend- und Eingliederungshilfe durch Paritätischen Gesamtverband enthüllt

„Drohender Kahlschlag in der Kinder- und Jugendhilfe“: Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände haben jenseits des öffentlichen Fachdiskurses um eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe drastische Kürzungen bei Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen diskutiert. Dies zeigt ein 108-seitiges internes Dokument einer Arbeitsgruppe, das vom Paritätischen veröffentlicht wurde.  Es enthält mehr als 70 Kürzungsvorschläge mit einem bezifferten Volumen von über 8,6 Milliarden Euro.

Die Vorschläge zielen laut Paritätischem Gesamtverband auf radikale Einschnitte bei sozialen Unterstützungsleistungen. Individuelle Rechtsansprüche auf Schulbegleitung sollen gestrichen, das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen eingeschränkt, die Nachbetreuung junger Erwachsener aus der Jugendhilfe abgeschafft, der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende zusammengestrichen werden. Manche Vorschläge widersprechen offen der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention.

Die Massivität der Vorschläge, die elementare Errungenschaften sozialer Teilhabe zurückfahren würden, sowie die Tatsache, dass die Debatte abseits und ohne Beteiligung der Fachöffentlichkeit geführt wird, sorgt für Empörung und Entsetzen. Der Paritätische veröffentlicht das Papier zusammen mit einer detaillierten fachpolitischen Einordnung und Bewertung von 25 exemplarisch ausgewählten Vorschlägen.

Weitere Informationen:

Website des Paritätischen mit dem Arbeitspapier zum Download

Veranstaltungen des BNO

Montag, 22. Juni 2026, 10:00 bis Freitag, 26. Juni 2026, 16:00, online:

Digitale Themenwoche des Bundesnetzwerk Ombudschaft: War das so gedacht? - Ombudschaftliche Perspektiven auf zentrale Fragestellungen der Kinder- und Jugendhilfe

Weitere Veranstaltungen des BNO und dessen Mitgliedsombudsstellen finden Sie unter:

www.ombudschaft-jugendhilfe.de/veranstaltungen

 

Bundesnetzwerk Ombudschaft in der Jugendhilfe e.V.

Instagram

Emser Str. 126
12051 Berlin

Tel. 030/2130 08-73

E-Mail: info@ombudschaft-jugendhilfe.de

Wenn Sie diesen Newsletter nicht weiter beziehen wollen, können Sie hier ihre E-Mail-Adresse aus dem Verteiler austragen